Ethik bei Wein und Brot

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Ein Rückblick von Sylvia Egli
Petra Forster,
Ethik bei Wein und Brot – Wachsen und Aufblühen

Diesmal startete der Anlass im lauschigen Park des Betreuungs- und Pflegezentrums Wolfgang mit dem Gedicht von Hermann Hesse «Bäume sind Heiligtümer». Zwanzig Teilnehmer bestaunten die Hängebuche im Garten und liessen sich vom Baumpflegespezialisten Res Ramsauer erklären, wie er den Baum pflegt und ihm ein gesundes Wachsen ermöglicht. Er berichtet auch, dass er viel Energie tankt, wenn er mit Seil und Handsäge Stunden im Baum verbringt.

Der zweite Gast an diesem Abend war die früher in Oberuzwil wohnhafte Naturheilpraktikerin Susanne Künzli. Sie unterstützt Menschen, damit sie wieder aufblühen und gesund werden. Auch sie berichtet anschaulich von ihrer Praxis.

Am langen Tisch in der Weingartenstube vertiefte der Moderator Patrick Schätti die Parallelen von beiden Berufen, stellte Fragen zum Werdegang und den Herausforderungen, die beide Berufe mit sich bringen. Dabei bezog er auch immer wieder das Publikum ein, das rege mitdiskutierte und zu ethischen Überlegungen angeregt wurde.

Schon fast traditionell wurden am Abend Oberuzwiler Brote verteilt, diesmal mit einem anderen Wein, zu dem Rolf Haag ein persönliches Erlebnis beitragen konnte.

Abschliessend beleuchtete er die Bedeutung der Bäume im spirituellen Umfeld und zeigte eindrückliche Bilder. Wachsen und Aufblühen – das galt für den ganzen stimmigen Abend.

Vielen Dank an die Podiumsteilnehmer und die Gastgeber, die uns einen weiteren inspirierenden Abend in gemütlicher Runde geschenkt haben.


Weitere Angebote zum ethischen Dialog finden Sie auf der Webpage:
» https://www.ethik22.ch


Bäume sind Heiligtümer. Wer mit ihnen zu sprechen, wer ihnen zuzuhören weiß, der erfährt die Wahrheit. Sie predigen nicht Lehren und Rezepte, sie predigen, um das einzelne unbekümmert, das Urgesetz des Lebens.

Ein Baum spricht: In mir ist ein Kern, ein Funke, ein Gedanke verborgen, ich bin Leben vom ewigen Leben. Einmalig ist der Versuch und Wurf, den die ewige Mutter mit mir gewagt hat. Einmalig ist meine Gestalt und das Geäder meiner Haut; einmalig das kleinste Blätterspiel meines Wipfels und die kleinste Narbe meiner Rinde. Mein Amt ist, im ausgeprägten Einmaligen das Ewige zu gestalten und zu zeigen.

Ein Baum spricht: Meine Kraft ist das Vertrauen. Ich weiß nichts von den tausend Kindern, die in jedem Jahr aus mir entstehen. Ich lebe das Geheimnis meines Samens zu Ende, nichts anderes ist meine Sorge. Ich vertraue, dass Gott in mir ist. Ich vertraue, dass meine Aufgabe heilig ist. Aus diesem Vertrauen lebe ich.

Wenn wir traurig sind und das Leben nicht mehr gut ertragen können, dann kann ein Baum sprechen: Sei still! Sieh mich an! Leben ist nicht leicht, leben ist nicht schwer! Das sind Kindergedanken.

Bäume haben lange Gedanken, langatmige und ruhige, wie sie ein längeres Leben haben als wir.


Hermann Hesse
Bereitgestellt: 20.05.2022     Besuche: 31 Monat