Wort zum Sonntag

Nikolaikirche Leipzig<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>ref-oberuzwil.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>5</div><div class='bid' style='display:none;'>691</div><div class='usr' style='display:none;'>4</div>

Gedanken von Richard Böck in der Wiler Zeitung vom 3. Oktober 2020
Petra Forster,
Wissen Sie noch, was Sie vor 31 Jahren gemacht haben?

Ich kann es auch nicht mehr genau sagen. Doch eines bleibt mir immer im Gedächtnis. Damals haben sich die Ereignisse überschlagen: Die Bevölkerung, in dem lange unterdrückten östlichen Teil Deutschlands, ist mutig auf die Strasse gegangen und hat protestiert.

Während ich diese Zeilen schreibe, gehen ebenfalls mutige Menschen Tag für Tag in Weissrussland auf die Strassen und verlangen Gerechtigkeit und Freiheit. Freiheit die eigene Meinung sagen zu dürfen, ohne Angst haben zu müssen verhaftet zu werden, das Recht auf freie und nicht manipulierte Wahlen. Man könnte noch vieles Aufzählen, was diese Menschen zu Recht einfordern.

Während Sie diese Zeilen lesen, halte ich mich zu einer längeren Weiterbildung in Leipzig auf. Eine spannende Stadt. Damals vor einunddreissig Jahren hatten die Menschen das erreicht, was sich die Menschen in Weissrussland jetzt erhoffen. In Leipzig und der ehemaligen DDR musste die Staatsmacht vor der Macht des Volkes kapitulieren. Stück für Stück bekamen die Menschen das Recht auf die freie Meinung eingeräumt. Von einem Tag auf den anderen konnte die Menschen aus dem Ostteil Deutschlands über die Grenze gehen oder fahren.

Heute gelten in den östlichen Bundesländern dieselben Gesetze wie im Westen. Doch etwas Wesentliches wird immer wieder vergessen: Der Grund für den Mut, der für Freiheit protestierenden Menschen vor einunddreissig und mehr Jahren, hat lange vorher seinen Anfang genommen.

In der Nikolaikirche in Leipzig haben sich jeden Freitagabend Menschen getroffen und haben gebetet. In diesen sogenannten Freitagsgebeten haben die Christen Gott angefleht, dass sich etwas in diesem Staat ändert. Sie haben nicht um einen Mauerfall gebetet, sondern um Freiheit und Gerechtigkeit. Es kam dann aber, wie wir wissen zum Fall der Mauer, die Menschen voneinander trennte, zum Fall der Mauer, an derer auch Menschen ihr Leben verloren hatten.

Wenn wir an dieses geschichtsträchtige Ereignis im Jahre 1989 denken, sollten wir nie vergessen, dass am Beginn das Gebet um Veränderung stand. Während meines Aufenthaltes von zwei Monaten werde ich mehrmals diese schöne Kirche besuchen und mich daran erinnern, dass in diesem Raum Menschen, trotz der anwesenden Spitzel ihre Stimmen zu Gott erhoben hatten. Und er erhörte ihre Bitten.

Ihnen alles Gute. Gott behüte Sie

Diakon Richard Böck
Bereitgestellt: 03.10.2020     Besuche: 51 Monat