Wort zum Sonntag

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Wiler Zeitung vom Samstag, 16. Mai 2020
Petra Forster,
Das Gute behaltet

Aus guten wie schwierigen Zeiten finden sich aus der Menschheitsgeschichte Erinnerungen in Sprache und Bild. Aus unserer persönlichen Geschichte, ja von jeder Ferienreise nehmen wir Bilder und Erinnerungen mit – oft Gutes, manchmal auch Schwieriges. Das menschliche Gehirn ist Gott sei Dank so gestrickt, dass wir am Ende das Gute in Erinnerung behalten und das, was schwierig war im Nachhinein entweder ausblenden oder darüber schmunzeln können. Ganz nach dem Motto, das Paulus im 1. Thessalonicherbrief empfiehlt: «Prüft alles, aber das Gute behaltet».

Momentan leben wir in einer Krisenzeit und die Erleichterung ist gross, dass ein Licht am Ende des «Corona-Tunnels» sichtbar ist. Zweifellos war die Zeit für viele Menschen gesundheitlich, wirtschaftlich und psychisch schwierig. Menschen, die einfach nur froh sind, dass das Leben sich langsam wieder der Normalität annähert. Die Zahlen der Neusansteckungen bleiben tief, das Schlimmste scheint überstanden.

Vielleicht ein guter Moment, um innezuhalten und Bilanz zu ziehen. Woran werden wir uns erinnern, wenn die Corona-Zeit einmal defintiv ausgestanden ist? Ans «social distancing»? – bestimmt. An die Wirtschaftskrise? – vermutlich. Bleibt aber auch Gutes? Zweifellos, doch Gutes in einer Krise zu sehen ist eine menschliche Willensleistung.

Von vielen Menschen, mit denen ich Kontakt hatte in dieser Zeit habe ich Gutes gehört: mehr Zeit für die Familie, alles sei etwas ruhiger geworden, das habe gut getan. Mehr Zeit zum Lesen, oder joggen im Wald, etc.. Überwältigend war die grosse Solidarität, wie die jüngere Generation aus Familie und Nachbarn sich mit Einkäufen und anderen Diensten um die Risikopersonen gekümmert hat, viele Nachbarn haben sich so erst besser kennengelernt. Man entwickelte Geduld und Verständnis füreinander.

Von Kollegen aus der Privatwirtschaft war zu hören, der Beweis sei nun erbracht worden, dass Homeoffice funktioniere. 1-2 Tage pro Woche könne man gut beibehalten, das würde auch einen Teil der Verkehrsprobleme auf der Strasse und im ÖV lösen. Die Videokonferenzen mit der heutigen Qualität würden ausserdem dafür sorgen, dass man nicht mehr für jede Sitzung durch die ganze Schweiz fahren oder um den halben Planeten fliegen muss; vielleicht dann noch, wenn es unabdingbar erscheint.

Möglicherweise ist das so. Das Gute zu sehen ist das eine, es dann auch zu behalten, wie Paulus es geschrieben hat, ist nochmals eine ganz andere Geschichte. Gott gebe uns Mut, Kraft und Gnade, Schwieriges gut zu verarbeiten, das Gute zu behalten und es in unseren privaten wie geschäftlichen Alltag zu integrieren. Gott mutet uns zu, Gutes zu erkennen und zu behalten; er sieht das Gute in uns und glaubt an uns.

Pfarrer René Schärer, evangelische Kirchgemeinde Oberuzwil-Jonschwil
Bereitgestellt: 20.05.2020     Besuche: 55 Monat