Erster ökumenischer Chilbi-Gottesdienst

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Ein Rückblick von Annelies Seelhofer-Brunner
Petra Forster
1. Oberuzwiler Chilbigottesdienst im „Zelt“ vor der Clientis Bank Oberuzwil

Ökumenisch ausgerichtete Feier im vom Sturm geschüttelten Zelt

In Bichwil hat man diese Art Gottesdienst auch schon angeboten und gesehen, dass derartige Feiern bei den Gemeindegliedern gut ankommen. Schliesslich ist ja die Chilbi – ursprünglich „Kirchweih“, also Einweihung der Kirche – im Grunde genommen immer wieder die Erinnerung daran. Das Zelt war vollbesetzt, trotz äussert unfreundlichem Wetter wegen Sturm "Herwart". Im Gottesdienst ging es um die Vielfalt, die zur Einheit der Gesellschaft beiträgt.

Aussagekräftige musikalische Beiträge
Die beiden Seelsorger René Schärer von evangelischer und Toni Ziegler, Pastoralassistent, von katholischer Seite her hatten bereits den Bichwiler Chilbigottesdienst gemeinsam gestaltet. Pfarrer René Schärer ist nebst seinem Pfarrerberuf auch ausgebildeter Musiker auf der E-Gitarre und mag es rockig. Organist Christian Schneebeli liebt alles, was nicht unbedingt im alla Breve-Takt zu spielen ist und hat als Pianist des Oberbürer Gospelchors viel Erfahrung mit rhythmischer Begleitung. Schärers Frau Fränzi schliesslich krönt mit ihrer bluesigen Stimme, oft im Duett mit ihrem Mann, gefühlvoll vorgetragene, aussagekräftige Songs.

Ein eigentliches Konzert
Die Band erfreute das Publikum mit einem Eingangslied von Phil Collins – TRUE COLORS. Schon hier konnte das Motto der Feier erahnt werden. Als Abschluss der kurzen Predigt sang das Duo Schärer, wie immer begleitet vom virtuosen Keyboard-Begleiter Christian Schneebeli BEAUTIFUL von Christina Aguilera, welches beschreibt, dass alle Menschen auf ihre Weise schön sind. Und ganz am Schluss kam noch Bon Jovi mit „It’s My Life“ zum Zug, ein Aufruf zu einem selbstbestimmten Leben ganz nach eigener Prägung. Auch die vielen Menschen im Zelt kamen zum Singen, denn das gehört zu einem stimmigen Gottesdienst einfach dazu.

Die Gemeinde verdankte alle Songs mit dankbarem Applaus, was vor dreissig, vierzig Jahren vermutlich noch zu grossem Stirnrunzeln bei treuen Kirchgängern geführt hätte. Doch damals hat man auch noch keine ökumenischen Gottesdienste gefeiert. Zum Glück ändern sich auch vermeintlich festgetretene Strukturen mit der Zeit.

Vielfalt macht das Leben farbig
In einem ersten kurzen Dialog unterhielten sich Toni Ziegler und René Schärer über die passende Kleidung zu so einem feierlichen Anlass. Ziegler fand, sein Amtskollege sei schon etwas nachlässig, ja gar komisch angezogen, da sei er mit seinem schönen liturgischen Gewand dann schon besser dran. Die Gegenfrage kam prompt: „Müssen wir denn alle gleich sein? Wichtig ist doch, zu sich zu stehen, in seiner Haut sich wohlzufühlen.“ Sein Partner aber fand: „Es soll sichtbar sein, in welcher Funktion ich hier stehe, dazu hilft mir das liturgische Gewand.“

Biblische Aussage – 1. Korinther 12; Verse 12 – 27
Schon Paulus schrieb an die Gemeinde in Korinth, dass jeder Mensch in seiner Einzigartigkeit - die sich ja gerade im Andersartigen zeigt – so gewollt sei. Verschiedene Talente machten erst eine gute Gemeinschaft aus. Die Überschrift über den Predigttext hiess „Viele Glieder – ein Leib“. Wenn jeder immer nur meint, er oder sie sei der Nabel der Welt und so viel wichtiger als die andern, so kann eine Gesellschaft nicht funktionieren. Die beiden Seelsorger tauschten sich zu diesem Text wieder im Dialog aus. Wie langweilig wäre es beispielsweise an der Chilbi, wenn alle Stände gleich aussähen und die Erlebnisbahnen alle das Gleiche anböten.

Kein Einheitsbrei
Nur wir Menschen dächten oft, alle müssten stets unserer Meinung teilen, da diese doch bestimmt die einzig richtige sei. Und beide Männer kamen zum Schluss, dass es eigentlich traurig sei, dass sich in dieser Hinsicht seit Jesu Zeiten kaum etwas geändert habe. Das zeige sich bereits in der Politik, wo gewisse Pöbler äusserst schlechte Vorbilder seien. Dabei gehöre doch die Wertschätzung der Andersartigkeit, die das Leben so bereichere, zu einem guten Miteinander.

Fürbitten
Hier wurde um den Mut zur eigenen „Farbe“, den eigenen Talenten gebeten und um die Möglichkeit, diese in die Gesellschaft einbringen zu können. Eine weitere Bitte galt den Ausgegrenzten, die sich nicht wehren könnten und auf Hilfe von aussen angewiesen seien. Schliesslich baten die beiden Männer um die Weisheit, bei Egoismus und Unversöhnlichkeit die richtigen Worte zu finden, um damit Frieden zu bewirken. Das gemeinsam gebetete „Unser Vater“ unterstrich die Fürbitten, machte die anwesende Gemeinde für einen Augenblick zu einer wirklichen Einheit. Zwischen den Strophen wurde das Lied „Hände, die schenken“ gesungen.

Kollekte
Diesmal wurde die Kollekte zugunsten der Rohingya gesammelt. Dieses Volk erfährt gerade unermessliches Leid, ist in seinem Heimatland Myanmar (Burma) unerwünscht und verfolgt und bereits zu Hundertausenden in die Nachbarländer - im Besonderen nach Bangladesh - geflüchtet. Hilfe tut Not, das Elend ist unfassbar gross.

Auch für Kinder etwas dabei
Gerade für kleinere Kinder ist so ein Gottesdienst mit Aussagen, die sie noch so gar nicht betreffen, oft eine recht langweilige Sache. Weil aber am Chilbigottesdienst vorne so schön farbige Öllämpchen brannten und zwischen den Wortteilen immer wieder fetzige Musik zu hören war, gab es für Kinder doch allerlei für Auge und Ohr. Und sonst half schliesslich ein mitgebrachtes Büchlein oder gar Grossmamas Smartphone…

Annelies Seelhofer-Brunner

Autor: Petra Forster     Bereitgestellt: 02.11.2017     Besuche: 15 Monat